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Bad Rappenau
- 28. Januar 2022

200 Jahre Sole Bad Rappenau

Salzkrücke und Salzschaufel im Heimatmuseum

Salinengelände mit Feierabendheim mittig am rechten Bildrand (Josef Junker) - undatiert

Gedenkstein beim Tretrad ©Stadtarchiv

Kurhotel um 1952/1953 @Nachlass Bürgermeister Fritz hagner

08 - historische Ansicht des Sole-Freibads (undatiert)

7 - Plan-Entwurf von Militärbaudirektor Arnold, 1822/23 ©Stadtarchiv

6 -Heizung Siedepfannen ©Stadtarchiv Bad Rappenau

5 - von weithin sichtbar: Kamine der Saline © Bildautor unbekannt

4 - Sonnensalzanlage ©Stadtarchiv Bad Rappenau

4 - Sonnensalzanlage © Stadtarchiv Bad Rappenau

3 - Planzeichung Siedehaus 3

2 - Fahrbarer Bohrturm @BTB/SBühler

1 - Bohrhaus und Tretrad im Winterkleid ©Almut Friedrich

Im Jubiläumsjahr 2022 erscheint hier monatlich eine Folge der Geschichte der Bad Rappenauer Saline.

NEUE FOLGE: 25.08.2022

Das Veranstaltungsprogramm zum Jubiläum finden Sie hier - einfach klicken ...

Folge 12 - Heute vor 199 Jahren - 25.08.1823 - Die Feuer werden angezündet. Der erst Sud wird eingeleitet

Michael Konnerth (Die Rappenauer Saline und ihre Geschichte)

Am 25.08.1823 wurden, nachdem am 27.05.1823 in geradezu hektischer Eile mit der Errichtung provisorischer Salinengebäude begonnen worden war, unter den Pfannen die Feuer angezündet und damit der erste Sud eingeleitet. Aus dem ersten Sudprodukt wurde ein Kistchen mit Salz gefüllt und dem Großherzog geschickt.

Wie lief ein solcher Siedebetrieb damals ab?
Die in den Solereservoiren gespeicherte und von fremden Beimengungen gereinigte Sole leitete man in die großen Pfannen der Siedehäuser, wo sie zu Salz versotten wurden. Im Prinzip ging es dabei darum, das in der Sole enthaltene Wasser zu verdampfen. Bei der Rappenauer Saline waren im höheren Mittelschiff die Siedepfannen untergebracht, während die Seitenschiffe zur Trocknung des Salzes dienten.

Ursprünglich war jedes der 3 Siedehäuser mit jeweils 5 Pfannen ausgerüstet, die aus einzelnen Eisenblechen in der salineneigenen Pfannenschmiede zusammengenietet wurden. Die Fugen zwischen den Blechen wurden mit einem Gemisch aus Kalk, Asche und Sole abgedichtet. In den noch weichen Kitt drückte man zusätzlich Werg ein. Anfangs waren die Pfannen 30 Fuß (= 9 m) lang, 24 Fuß (= 7,2 m) breit und 1,5 Fuß (= 0,45 m) tief. Größe und Zahl der Pfannen änderten sich mehrfach, ebenso die der Siedehäuser.

1825 verfügte die Saline über 15 Pfannen in 3 Siedehäusern mit einer Siedefläche von 10.800 neubadische Quadratfuß (= 972 m²). 1843 betrug die Pfannenfläche bei gleichbleibender Pfannenzahl bereits 11.428 Quadratfuß (=1028,52 m²) und nahm in den darauffolgenden Jahren ständig zu.

Die Pfanne befand sich auf einem gemauerten, ca. 75 cm hohen Herd, der mit 2 Rostfeuerungen versehen war. Von der Feuerstelle leitete man die Feuergase in mehrfachen Zügen (in sog. Zirkulierherden) unter den Pfannen entlang, wodurch eine gleichmäßige Erwärmung erreicht wurde. Später leitete man die Flammengase noch unter die Trockenherde.

Das eigentliche Sieden bestand aus 2 Arbeitsgängen, dem Stören und dem Soggen. Das Stören diente gleichermaßen dem Vorwärmen wie dem vollständigen Reinigen der Sole. Zunächst wurde langsam angeheizt, dann durch heftiges Feuer aufgekocht, wobei sich innerhalb weniger Minuten die letzten fremden Beimengungen als schmutziger Schlamm an der Flüssigkeits-Oberfläche ansammelten, der sofort abgeschöpft wurde. Die Schlamm- oder Schaumbildung konnte durch Zugabe von Blut oder Eiweiß gefördert werden, und mit diesem Schaum sind nach dem Prinzip der Flotation vor allem die feinteiligen Feststoffe entfernt worden. In der Sole enthaltener Kalk und Anhydrit hingegen brannten als Pfannenstein am Boden der Siedepfanne fest. Das Ende der Störphase erkannten die Sieder am Auftreten der ersten Salzkristalle.

In der Phase des Soggens wurde die nun völlig reine Sole über kleinem, ruhigem Feuer zum Eindampfen gebracht, wobei man mehrmals Sole nachfüllte. Durch Verdampfen des Lösungswassers wurde eine so hohe Konzentration erreicht, dass nach Überschreiten des Sättigungspunktes die allmähliche Ausfällung des Salzes einsetzte. Zuerst bildeten sich an der Oberfläche feine Salzhäute, die aus hohlen, mit der Spitze nach unten weisenden, aus feinen Salzkristallen zusammengefügten Pyramiden bestanden. Diese setzten sich dann ab einer bestimmten Stärke von allein infolge der Schwere am Pfannenboden ab. Die Temperatur beim Soggen wurde konstant gehalten und lag in der Regel bei ca. 80° bis 90°C. Je tiefer die Temperatur unterhalb des Siedepunktes lag, umso größer wurden die Salzkristalle.

Das am Pfannenboden abgesetzte Salz wurde von beiden Pfannenlängsseiten aus mit langstieligen, gelochten Krücken, die bis zur Pfannenmitte reichten, aus der heißen Sole an den Pfannenrand gezogen und mit ebenfalls durchlochten Schaufeln auf den Pfannenmantel geworfen. Hier konnte das Salz austropfen und die Lauge wieder in die Pfanne zurücklaufen.

Das Ausziehen des Salzes erfolgte, je nach Dauer des Sudes, in 12-, 24-, 48-, 72- oder 96stündigem Rhythmus. Von der Dauer des Sudes hing die unterschiedliche Körnung des Salzes ab. Grobkörniges Salz konnte nur durch langsames Erhitzen der Sole, im sogenannten „kalten Betrieb“ (Dauer des Suds: 72 oder 96 Stunden) gesotten werden. Beim sogenannten „heißen Betrieb“ (Dauer eines Suds: 48, 24 oder nur 12 Stunden) erzielte man zwar mehr Salz als beim „kalten Betrieb“, allein es fiel bedeutend weniger grobes Salz aus und bei 24- und 12-stündiger Siedezeit beinahe ausschließlich feinkörniges Salz.

Ursprünglich waren in Rappenau nur Feuerpfannen in Betrieb. Sie wurden mit Holz und Torf, später auch mit Kohlen geheizt. Von 1846 an führte man auf der Saline die ersten Dampfpfannen ein. Diese lieferten aber im Vergleich zu den Feuerpfannen sehr wenig Salz, weshalb sie ab 1868 wieder verschwanden und durch die viel leistungsfähigeren Feuerpfannen ersetzt wurden.

Anfangs trocknete man Salz in Körben aus Weidenrutengeflecht. 1826 gab die Saline für die Anschaffung von 1.800 Körben zu je 212 Kreuzer 360 Gulden aus. Zunächst füllte man das nasse Salz in die auf dem Pfannenmantel stehenden Körbe, wo es abtropfen konnte. Zur weiteren Trocknung gelangten die Körbe dann in die Trockenkammern, die in den Seitenschiffen der Siedehäuser eingerichtet waren. Die Korbtrocknung blieb aber unvollständig und war sehr teuer. 1862 wurde die Korbtrocknung vollständig aufgegeben und durch die viel bessere und vor allem billigere Herdtrocknung ersetzt. Der Feuchtigkeitsgrad des Salzes konnte jetzt auf unter 1% gesenkt und damit ein schüttfähiges Salz erzeugt werden.

Auf die Trockenherde wurde das Salz von den Siedern mit geflochtenen Rückentragekörben, den sog. Kezen, gebracht, die ca. 20 Pfund schwer waren und 150 bis 170 Pfund fassten. Hier breitete man das Salz in dünnen Schichten aus und beschleunigte durch wiederholtes Wenden und Auflockern den Trockenvorgang. Zum Zerkleinern des Salzes wurden auch Metallwalzen verwendet, die barfüßige Sieder hinter sich herzogen. Nach vollständiger Trocknung trugen die Sieder mit denselben Rückenkörben das Salz dann in die neben den Siedehäusern stehenden Lagerräume, wo es gesiebt, gewogen und zum Versand verpackt wurde. Die ersten mechanischen Transportvorrichtungen wurden im Jahr 1896 eingeführt.

Fortsetzung folgt ...

 

Folge 11 - Das Feierabendheim

Michael Konnerth (Die Rappenauer Saline und ihre Geschichte) und
Herbert Freudenberger (Beitrag im Heimatboten Nr. 28), bearbeitet von Almut Friedrich

1909 wurde am Eingang der Saline unmittelbar vor dem Solereservoir eine Arbeiterkantine mit Speisesaal, Küche, Keller und Vorratsraum errichtet. Vom Haupteingang der Saline sah man geradeaus auf den Giebel des Feierabendheims mit dem Sandsteinbrunnen und der Ehrentafel der Gefallenen (Brunnen und Tafel befinden sich heute am Bohrhäuschen neben dem Tretrad). 

Zuerst als Kantinengebäude gedacht, wurde es später zum Feierabendheim umfunktioniert. Es war in den großen Komplex des Solereservoirs eingebunden, links und rechts befand sich jeweils ein Eingang. Auf einem langen Flur waren Schränke eingebaut, sie dienten dem Kleiderwechsel der Arbeiter, hier waren die ersten Stechuhren der Saline angebracht. Später standen diese gleich neben dem Eingang zum A-Bau bei der Stromzapfstelle für den „Hoannessel“. Der letzte Stechuhrenplatz war dann im B-Bau.

Von den Vorräumen kam man in den großen Saal und weiter Richtung Solereservoir zu einer Bühnennische, genutzt wurde sie für Vorträge oder Aufführungen kleinerer Theaterstücke in den Jahren 1933 – 1945 von verschiedenen Verbänden der damaligen NSDAP, darunter auch HJ, BDM, SA usw. Über der Bühne hing der Reichsadler mit Hakenkreuz, er war mit Silberbronze bemalt. Im Lager hinter der Bühne waren die Bauteile der Theaterbühne des Kurhotels, mit Unterbau, Gebälk, Bodenplatten, Wechselkulissen (Waldmotiv oder Wohnraum), großem Vorhang usw. untergebracht. Bei Bedarf holte man die Bühnenteile vom Feierabendheim und baute diese im Kurhotel für Vereine oder sonstige Veranstaltungen auf. Nach dem Fertigstellen der Sonnen-Salzanlage wurde das Gebäude zur Lagerung des gewonnenen Salzes, sowie für die Verpackung des „DÜRASOL“ umfunktioniert. Das abgestreifte Salz kam auf ein Förderband, das die Salzkristalle über eine Dachöffnung des Heims abwarf. Auf dem Gebäudedach war ein sechseckiges Türmchen aufgesetzt, dass allseits verglast war. Auf dem Dachboden war auch die Feuersirene eingebaut.

Bei Errichtung des Feierabendheims fand zum Teil Baumaterial aus einem Solereservoir Verwendung, das 1890 als langgestreckter, aus zwei rechteckigen Kästen bestehender Forlenholzbau mit schiefergedecktem Satteldach und einem Fassungsvermögen von 126 m³ errichtet und 1909 abgerissen worden war, nachdem das Hochreservoir am Einsiedelwald errichtet worden war. Vor seinem Abriss diente es noch kurze Zeit Versuchszwecken (zum Entgipsen der Sole). Der Bau ruhte auf einem 3 m hohen Sockel und versorgte die höherliegende Feinsalzpfanne mit Sole.

Das Feierabendheim befand sich genau an der Stelle, wo heute der Monopteros steht.

Fortsetzung folgt ...

 

 

Folge 10 - Persönlichkeiten auf der Saline - Salineninspektor Rosentirt, Entdecker des Salzlagers

Michael Konnerth
(Auszug aus „Bad Rappenauer Heimatbot", Nr. 8 + 13)

Georg-Christian Henrich Rosentritt wurde er am 29.09.1759 in Dürkheim als 9. von 10 Kindern des Dürkheimer Salineninspektors Berthold Christian Rosentritt und dessen Ehefrau Susanna Henrietha geboren. Über die Kindheit und die Ausbildung Rosentritts ist kaum etwas bekannt.

Von 1787 bis 1809 war er technischer Direktor der nordelsässischen Gradiersaline Soultz-sous-Forets und anschließend bis 1821 Leiter des Asphaltwerkes im benachbarten Lobsann. Danach arbeitete er mehrere Jahre als Salineninspektor auf der Dürkheimer Gradiersaline, bevor ihm am 08. November 1821 die Konzession der badischen Regierung zu Bohrversuchen nach Salz in der Gemeinde Rappenau erteilt wurde.

1822 legte Rosentritt die Bohrstelle fest, genau dort, wo heute das historische Tretrad steht. Es wurde ein 10-Punkte-Vertrag im Rappenauer Schloss abgeschlossen und eine Aktiengesellschaft zur Finanzierung der Versuchsbohrung gegründet. Diese bestand aus 8 Mitgliedern. Man begann mit den Arbeiten zur Versuchsbohrung und bohrte in der Nacht vom 09. auf den 10. September in einer Tiefe von 176,38 m eine starke Salzquelle an. Diese Tiefe wurde von Rosentritt in nur 6 Monaten und 18 Tagen erreicht!

In den Jahren 1823 – 1842 brachte Rosentritt weitere 5 Bohrungen westlich des Fundbohrlochs nieder. Von 1823 – 1836 war er Salinendirektor in Rappenau. 1836 wurde Rosentritt pensioniert. Zu seiner Pensionierung wurde ihm als Anerkennung für seine großen Verdienste um die Saline und den Ort vom Gemeinderat das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Rappenau verliehen, er war damit der erste Ehrenbürger unserer Stadt. Später wurde die Rosentrittstraße nach ihm benannt.

Fortsetzung folgt ...

 

Folge 9 - Das Salinenwirtshaus, späteres Kurhotel

Michael Konnerth
(Auszug aus
„Die Bad Rappenauer Saline und ihre Geschichte“)

Das Salinenwirthaus, das sich gegenüber des ehemaligen Ökonomiegebäudes (heute ein Gebäudetrakt der Schwärzbergklinik) befand, kam auf dem ursprünglichen Entwurfsplan von Friedrich Arnold gar nicht vor. Beide Gebäude wurden erst 1827 auf einem Gelände von 58 Ar errichtet. Die Stilähnlichkeit mit den Verwaltungsgebäuden der Saline ist aber unverkennbar.

Das Salinenwirtshaus, später Salinenhotel genannt, wurde mehrfach umgebaut und vergrößert, so in den Jahren 1854, 1872, 1887. Bereits 1854 wurde gleich nebenan vom Rappenauer Zimmermann Mathias Fröhlich ein Gartenhaus erstellt.

Über mehrere Jahrzehnte war die Familie Reichardt Pächter dieses repräsentativen Gasthofs, der als Stammlokal der Rappenauer Honoratioren diente und die nach Rappenau zur Kur kommende Prominenz beherbergte. 1905 wurde das Anwesen von der Gemeinde als Badhotel „Zur Saline“ erworben, 1915 von dieser an den Wilhelm Olef aus Worms verkauft, 1929 von der Gemeinde wieder zurückgekauft und 1929/1930 zum Kurhotel umgebaut.

Das Kurhotel enthielt im Erdgeschoss zwei Speisesäle, Frühstücksraum, Vestibül, Garderoberaum und die Wohnung des Hoteliers. Anschließend an den großen Saal befanden sich Terrassen-anlagen. Im neu errichteten Anbau waren die Kücheneinrichtungen untergebracht. Das obere Stockwerk enthielt 25 modern ausgestattete Fremdenzimmer mit 34 Betten sowie 3 Badezimmer. Auch Autogarage und ein Tennisplatz fehlten nicht. Der Umbau des gemeindeeigenen Hotels hatte 150.000 Mark gekostet.

1953 wurde das Kurhotel renoviert und erweitert, um dann 1971 abgerissen zu werden. Es musste der Salinenklinik Platz machen. Bis zu seinem Abriss war es Mittelpunkt des geselligen Lebens in Bad Rappenau.

Fortsetzung folgt ...

 

 

 

Folge 8 - Das Bad Rappenauer Sole-Freibad, erbaut 1935/1936

Michael Konnerth
(Auszug aus „Bad Rappenauer Heimatbote Sonderausgabe Juni 1993, zur Geschichte des Bad Rappenauer Sole-Freibades“)

Salinendirektor Carl Falk war es, der 1930 die Errichtung eines Sole-Freibades in Bad Rappenau ins Gespräch brachte. Er war 1. Vorsitzender des Kur- und Verkehrsvereins (seit 1989 Heimatverein, seit 2002 Heimat- und Museumsverein). Ursprünglich nannte man das Projekt „Strandbad“ und der Kur- und Verkehrsverein war anfangs federführend bei der Realisierung. Im Dezember 1932 wurde eine „Schwimmbadkommission“ ins Leben gerufen. Auf Anregung des Bad Rappenauer Dentisten Eugen Hartmann entschied man sich für das Gelände am Gewann „Zwischen den Eisenbahndämmen“ nördlich des damaligen Kurparks, das alle Voraussetzungen für die Errichtung eines Schwimmbads erfüllte. Als Vorzüge wurden genannt die Lage im Kurviertel und die Nähe zur Bahnlinie. Letzteres lasse eine vorzügliche Reklame zu. Auch ein „terrassenförmiger Ausbau“ sei aufgrund der topographischen Beschaffenheit des Geländes möglich. Hinzu komme noch, dass die Be- und Entwässerungsfrage schon geradezu ideal gelöst sei. Auch die Zugangsmöglichkeiten namentlich auch für Kraftfahrzeuge begegne keinen Schwierigkeiten. Zudem schließe sich nach Süden der Kurpark an, was der gesamten Anlage einen „außerordentlich geschmackvollen Eindruck und idyllischen Reiz“ verleihe. Die Vorzüge des Geländes hob Falk hervor. Es sei 135 Meter lang und 75 Meter breit, werde nach Norden von der Bahnlinie Heidelberg-Heilbronn begrenzt und nach Süden schließe sich der Kurpark an. Gegen Osten und Westen werde der Badeplatz gegen Winde durch die zu errichtenden Umkleidekabinen geschützt. Drei Abteilungen solle das Freischwimmbad erhalten: für Schwimmer, für Nichtschwimmer und für Kinder.

Salinendirektor Falk gab die Zusicherung, die Saline würde täglich zur Füllung der Becken 60 Kubikmeter vorgewärmtes Wasser bereitstellen. Zudem habe auch die Brauerei Häffner zugesagt, pro Tag 40 Kubikmeter Wasser zu liefern. Weitere Wassermengen würde das Gemeindesolebad zur Verfügung stellen.

Mit der Planausfertigung wurde der Sinsheimer Architekt Lohoff beauftragt. Im August 1934 wurde intensiv der Geländeerwerb betrieben und im November des gleichen Jahres konnte Bürgermeister Hofmann bekanntgeben, dass das benötigte Gelände von 10.576 m² nun zur Verfügung stehe. Im Dezember 1934 traf dann auch der Genehmigungsbescheid für das Bauvorhaben ein, so dass der erste Spatenstich bereits vor Jahresende vorgenommen werden konnte.

Die Bevölkerung stand dem Projekt sehr aufgeschlossen gegenüber. Die Erdbewegungs- und Grabarbeiten sind zum weitaus größten Teil von freiwilligen Helfern der örtlichen Vereine durchgeführt worden. Am Sonntag, dem 4. August 1935 wurde mit einer kleinen Feier das Soleschwimmbad seiner Bestimmung übergeben. Natürlich durften die freiwilligen Helfer auch als erste den Sprung ins kühle Nass tun. Bis zur Fertigstellung der gesamten Anlage sollte aber noch fast ein Jahr vergehen. Die feierliche Einweihung erfolgte dann am 7. Juni 1936. Leider war an diesem Tage der Wettergott den zahlreichen Festteilnehmern nicht hold. Wie aus Zeitungsberichten und Gesprächen mit Zeitzeugen hervorgeht, regnete es ununterbrochen in Strömen, so dass wichtige Programmpunkte, wie beispielsweise Schwimmwettbewerbe, zu denen sich auch mehrere auswärtige Vereine angemeldet hatten, buchstäblich ins Wasser fielen. Der „Unterländer Bote“ schrieb darüber in seiner Montags-Ausgabe: „Das Soleschwimmbad, das erste dieser Art in Süddeutschland. Wir Rappenauer sind stolz darauf, denn sicher wird gerade dieses Bad seine Anziehungskraft nicht verfehlen und darf sich so würdig an die sonstigen, gesundfördernden und unterhaltenden Einrichtungen unseres Badeortes anschließen…“. In dem im damaligen Bezirksort Sinsheim erschienenen „Kraichgau“ heißt es unter anderem: „Kristallklar ist das Solebadwasser und so blau wie der Himmel an schönen Sommertagen. Quellklares Wasser, grüner Rasen, duftende Blumen und Gesträucher, Liegestühle für Sonnenbäder, Sonnenschirme und Sitzbänke laden zum Besuch dieses schönen Bades ein, sei es auch nur um sich an dem munteren Treiben und Leben der Badebesucher zu erfreuen.“

Mit der Errichtung des Solebades war dem Kurort ein großer Wurf gelungen und die Hoffnungen, die man an die Errichtung dieses Bades geknüpft hatte, gingen weit schneller und weit mehr in Erfüllung, als man ursprünglich erwartet hatte. Bis zu 6.000 Badegäste wurden an einigen Tagen bereits im Eröffnungsjahr gezählt und mit dem damals geprägten Werbe-Slogan „Bad Rappenau – Seebad fern vom Meer“ ist in der Folgezeit der Name Bad Rappenau weit und breit bekannt gemacht worden. Nicht nur die Verwendung von Sole in einem Schwimmbecken (bis zu dem Zeitpunkt wurde Sole lediglich für Wannenbäder genutzt), sondern auch das Freiluftinhalatorium war ein Novum. Die von den Düsen versprühte Sole reicherte die Luft mit fein pulverisierten Salzpartikeln an.

Das 1935/36 im Bad Rappenau errichtete Soleschwimmbad war die erste Anlage dieser Art in Süddeutschland und nach dem Sole-Schwimmbad im norddeutschen Kurort Rothenfelde das zweite Soleschwimmbad in Deutschland überhaupt. Die Errichtung des Bades kostete genau 116.021,17 RM (Reichsmark), ungefähr das achtfache des ursprünglichen Kostenvoranschlags. Dabei spielte sicherlich die Inflationsrate eine Rolle, aber auch die nicht im Kostenvoranschlag enthaltenen Kosten für den Grundstückserwerb. Bereits 1935/36 wurden weitere Grundstücke zugekauft, um die Liegefläche zu vergrößern. Die Gesamtanlage hatte danach eine Fläche von 14.394 m².

In der langen Zeit, die seitdem vergangen ist, erfolgten immer wieder Umbau- und Sanierungsmaßnahmen, zuletzt in den Jahren 2016 – 2019 in zwei Bauabschnitten.

Fortsetzung folgt ...

 

Folge 7 - 27. Mai 2022 - vor 199 - Der Bau der Salinenanlage beginnt

von Michael Konnerth
(Auszug aus „Die Bad Rappenauer Saline und ihre Geschichte“ und „Bad Rappenau: Ein Führer zu Sehenswertem mit der Geschichte von Stadt, Saline und Kurbetrieb“)

Nach Entdeckung des Salzlagers entstanden in rascher Folge die für den Salinenbetrieb notwendigen Bauten. Als Standort wählte man die östlich vom damaligen Dorf Rappenau langsam ansteigende Hochfläche des Schwärzberg, der sich wegen seiner topographischen Beschaffenheit geradezu als ideales Baugelände anbot. Gegenüber der engen Talmulde am Einsiedelwald, wo man räumlichen Beschränkungen unterworfen war, bot die Weite des Plateaus den Vorteil, dass man sich nach allen Seiten ungehemmt ausbreiten konnte.

Auf diesem weiträumigen Plateau wurde ab dem 27. Mai 1823, als die Grundsteinlegung zur großherzoglichen „Ludwigssaline bey Rappenau“ erfolgt war, in knapp 4 Jahren eine großzügige Anlage geschaffen, die bei den Besuchern von Anfang an Bewunderung hervorrief.
Die Anlage war im klassizistischen Baustil streng symmetrisch angeordnet. Die Mittelachse wurde von der von Westen in das Werkgelände hineinführenden Salinenstraße und den beiden Solebehältern gebildet. Die Hauptgebäude gruppierten sich um eine rechteckige 200 x 150 m große Hoffläche. An den beiden Längsseiten des Rechtecks standen die Siedehäuser und das große Salzmagazin, während die beiden Schmalseiten von den Verwaltungs- bzw. Wohngebäuden eingenommen wurden. Von Westen wurde die Anlage vom Salinenwirtshaus und dem gleichgestalteten Wirtschaftsgebäude eingeschlossen.
Mit der Ausarbeitung der Entwürfe für die Saline und der Leitung der Bauarbeiten beauftragte der Großherzog den Militärbaudirektor Friedrich Arnold, Neffe des berühmten Karlsruher Architekten und Städtebauers Friedrich Weinbrenner, dessen Meisterschule er besuchte. Er hatte auch schon die Entwürfe zum Bau der Saline in Dürrheim gefertigt. Der ursprüngliche – leider undatierte - Entwurf der Rappenauer Salinenanlagen ist betitelt mit „Entwurf zur neuen Ludwigs Saline bey Rappenau“ und stammt offensichtlich aus der ersten Hälfte des Jahres 1823. Aus einer Denkschrift vom 3. März 1823 geht hervor, dass Arnold gemeinsam mit Inspektor Rosentritt „möglichst bald die Pläne des Saline-Etablissement zu Rappenau entwerfen und vorlegen wird“.
Es war Militärbaudirektor Arnold zweifellos gelungen, eine in ihrem Gesamtkonzept großzügige und in sich abgeschlossene Anlage von ausgewogener Symmetrie und seltener Schönheit zu schaffen. Sie gehörte zu den formvollendetsten und baulich mustergültigsten Industrieanlagen jener Zeit.
Bei allen späteren Um- und Neubauten hat man sich im Wesentlichen an Arnolds Konzeption gehalten, so dass das Gesamtbild der Anlage bis zum Tage des Abrisses unverändert blieb.
In mehreren Reisebeschreibungen und authentischen Berichten wird uns der landschaftliche Reiz, den die Saline ausstrahlte, übermittelt. Bereits 1825 schrieb Finanzrat Beger in Karlsruhe nach der Besichtigung der Saline: „Anlage und Ausführung reißen zur Bewunderung hin“. In Steins Neckarreise von 1843 heißt es: „Bei dem Ausgange aus dem Walde treten uns plötzlich, einer festen Citadelle ähnlich, die imposanten Gebäude der badischen Ludwigssaline entgegen. Oben angelangt, macht die regelmäßige Verteilung der Hofgebäude, Magazine und Siedehäuser und ihre gefällige Bauart einen höchst angenehmen Eindruck“. 4 Jahre später vermerkt das Universallexikon vom Großherzogtum Baden: „Die Gebäude der Saline bilden ein schönes Ganzes“.
Auch die 1927 – 1936 geschaffene Neuanlage fügte sich unaufdringlich in das Gesamtbild der Saline ein. Das langgestreckte, in der Mittelachse des Nordflügels gelegene Zentralmagazin, links und rechts von den Betriebs- und Fabrikationsgebäuden eingeschlossen – unterstrich die symmetrische Verteilung der neuen Anlage und ließ diese noch mehr in Erscheinung treten. Es war dem Architekten zweifellos gelungen, sowohl die funktionalen Ansprüche, die ein moderner Betrieb stellte, als auch den Erhalt der ursprünglichen Romantik der Anlage in Übereinstimmung zu bringen.
Kein Wunder, dass sich die damalige Presse zur Bewunderung hinreißen ließ, man habe es bei der Rappenauer Saline mit „einer Vermählung von Zweck und Schönheit“ zu tun.

Fortsetzung folgt ...

 

Folge 6 - Mündliche Überlieferungen aus dem Salinenalltag - Heizung Siedepfannen

Aufgezeichnet von Erich Schuh

In einer zweiten Geschichte wird uns Herbert Künzel etwas über die technische Befeuerung der Saline und der Siedepfannen erzählen.

Als Heizungsbauer arbeitete er vor seiner eigenen Betriebseröffnung bei der Firma Stark und Hartmann aus Heilbronn. Diese Firma hatte alle heiztechnischen Arbeiten in der Saline zu verrichten. So kam es, dass Herbert Künzel oft Monate am Stück in der Saline arbeitete. Er hat sich als echter Kenner der Anlage erwiesen. Dies war in den 50er und Anfang der 60er Jahre.

Ihm ist noch in Erinnerung, dass die Salzsieder – das waren die Arbeiter direkt an der Siedepfanne – öfter Knackwürste oder Ringschinkenwurst dabeihatten, um zur Vesperzeit diese in der Siedepfanne zu erhitzen. Gemeinsam wurde das Gut verspeist. In der Rettich–Zeit brachten die Saliner zusätzlich große, weiße Rettiche mit, die ebenfalls in der Siedepfanne erwärmt wurden. Das war wohl ein besonderer Genuss. Eher wurde der Rettich nur kurz eingetaucht, um ihm den Salzgeschmack zu verleihen.

Nun gehen wir zur Wurffeuerung. Diese wurde ab 1933 eingerichtet. Seit der Einführung dieser Neuerung mussten die Heizer nur noch die großen Kohletrichter vor den Feuerungen befüllen. Die Wurfanlage war mit einem starken Spannfedersystem ausgestattet, das die Kohle in vorher bestimmten Zeiträumen portioniert in den Feuerraum unter der Siedepfanne schleuderte. Das Auslösen dieser Wurffeuerungsanlage sorgte für einen ohrenbetäubenden Lärm .....

Fortsetzung folgt ...

 

Folge 5 - Mündliche Überlieferungen aus dem Salinenalltag - Kaminbau

 

Aufgezeichnet von Erich Schuh

Zwei alte Rappenauer haben mir einiges aus der Saline anvertraut, dass nicht im Salinenbuch von Michael Konnerth zu lesen ist.              

So war es die Geschichte des Kaminbaus für die neue Saline, die in den Jahren 1927 – 1935 errichtet wurde. Otto Kirrstetter, der mit seinen Eltern „auf der Saline“ wohnte, hat als Junge vom Küchenfenster aus die Kaminbauarbeiten beobachten können. Das linke Offizianten-Haus und darin die nördliche Wohnung, die den Kaminen am nächsten lag, war seine Zuschauertribüne. So konnte er das Geschehen verfolgen, wie die Kamine in die Höhe gewachsen sind. Es war ja schließlich etwas ganz Außergewöhnliches. So etwas sieht man nur einmal im Leben. Und da muss man genau hinschauen, dachte sich der kleine Otto.  Je höher die Kamine wuchsen, umso interessanter wurde das Spektakel. Immerhin, 60 Meter sollten sie in den Rappenauer Himmel ragen. 

Als in diesen Jahren die neue Saline errichtet wurde, benötigte man zwei große Kamine; je einen für den A-Bau und ebenso für den B–Bau. Da das gesamte Gebäude spiegelgleich gebaut wurde entstand ein einmaliges Ensemble. Nur die Innenausstattung der beiden Siedekomplexe war unterschiedlich. Der, von Anfang an, modernere A-Bau bekam Siedepfannen mit automatischem Salzauszug für Fein- und Speisesalz. Im B–Bau befanden sich Siedepfannen für Grob–Salz, das als Vieh- und Streusalz benutzt wurde. Der Auszug des Salzes wurde von Hand getätigt. Durch die längere Verweildauer des Salzes in der Pfanne entstand das großkristalline Grob–Salz. Alle weitere Verarbeitung des Salzes fand im mittleren, 70 Meter langen, Zentralbau statt. Die Zentrifugen und Bandtrockner, die mit der Abwärme der Befeuerung beschickt wurden, bereiteten das Salz zur Verpackung vor. Das Speisesalz wurde bis zur Endverpackung von keiner menschlichen Hand berührt. Das Grob–Salz wurde über Förderanlagen in große Trichter geleitet, um die Sackware abzufüllen. Die gesamte Lagerung des fertigen Salzes war im Zentralbau untergebracht. So konnte das Salz direkt über Laderampen in die Güterwaggons oder LKWs verladen werden.                             

Um solche Kamine zu erstellen, benötigte man echte Fachleute. Schließlich musste bei einem runden Kamin dieser Höhe jeder Steinkranz seine eigene Krümmung aufweisen. Nach oben hin bedurfte es die Einberechnung einer Verjüngung. So wiesen die Steine im oberen Bereich ein anderes Maß auf als die unteren Grundsteine. Man kann schon von einer Kaminbaukunst sprechen. Kleine Familienbetriebe waren es, die diese Handwerkskunst beherrschten. Im Rappenauer Fall war es ein Vater mit seinen zwei Söhnen. Otto sah, wie das Außengerüst mit dem Wachsen der Kamine nach oben mitwanderte. Im Inneren des Kamins hatte man ein Fangnetz angebracht, damit nach Innen abstürzende Gegenstände nicht nach unten fallen konnten. Aber auch die Kaminbauer sollten dadurch geschützt werden. Mit einem Lotterrad wurde an einem langen Seil das Baumaterial nach oben gezogen. Dabei kam auch manches Fässchen Bier der Brauerei Häffner mit nach oben. Doch welch eine Erkenntnis: Ein Kamin zeigte sich in Schieflage. Er musste bis zur Abweichung wieder zurückgebaut werden. Bei diesem Rückbau, so berichtet Otto Kirrstetter, traf die Spitzhacke einen der Kaminbauer am Kopf. Blutüberströmt fiel er ins Innennetz. In aller Eile wurde er in die Vulpius-Klinik gebracht, dort „verarztet“ und…... Tags darauf gingen die Bauarbeiten weiter. Mit einem Unterschied: Einer von den Dreien trug einen weißen Turban. Und beim wiederholten und gelungenen Aufbau war wieder alles beim Alten. Kaminsteine, Mörtel und das tägliche Fässchen Häffner Bier wanderten wie gewohnt nach oben bis zum Abschluss der Arbeiten.                                 

Wir etwas jüngeren Rappenauer kannten nur zwei schnurgerade Kamine der Saline, die wie Fingerzeige in den Himmel ragten. Nach der Stilllegung der Saline wurden die Kamine am 21.01.1974 gesprengt. Damit wurde ein Wahrzeichen Bad Rappenaus niedergelegt, das weithin sichtbar war und auch geografisch als Orientierung diente.

In einer zweiten von Erich Schuh aufgeschriebenen Geschichte wird uns Herbert Künzel bald etwas über die technische Befeuerung der Saline und der Siedepfannen erzählen…

Fortsetzung folgt ...

 

 

Folge 4 - Technische Neuerungen auf der Saline - die Sonnensalzanlage

von Michael Konnerth
(Auszug aus „Die Bad Rappenauer Saline und ihre Geschichte)

Nach dem 2. Weltkrieg kam es öfters zu Verknappungen des Kohlevorrats und auch die Kohlenpreise schnellten in die Höhe und gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit des Siedesalzes in bis dahin noch kaum gekanntem Maße. Kein Wunder, dass man sich Gedanken über die Umstellung auf ein billigeres Herstellungsverfahren machte.

Schließlich erinnerte man sich an die Sonnensalzbereitung in den südlichen Ländern sowie an die Anfangsjahre der Saline, als auch in Rappenau versucht worden war, die Sole an der Sonne zu verdunsten und somit Salz auf natürlichem Wege zu gewinnen. So soll (nach Hans Vogt) 1831 auf der Rappenauer Saline ein „Trockenkanal zur Bereitung von Salz im Freien“ ausgehoben worden sein. Bei fehlender günstiger Witterung soll damals sogar versucht worden sein, die Abdämpfe aus den Siedehäusern zur Sonnensalzanlage zu leiten, um dadurch die Verdunstung und somit die Salzausscheidung zu beschleunigen. Rentierlich scheint dies nicht gewesen zu sein, denn bereits 1837 ermächtigte die Direktion der Salinen-, Berg- und Hüttenwerke die Salinenverwaltung, alle diesbezüglichen Einrichtungen abzutragen und das noch brauchbare Material zu anderen Zwecken zu verwenden.

Die Idee wurde dann 1954 vom damaligen Salinendirektor Dr. Lotz wieder aufgegriffen. Er ließ die Sole auf bewegliche Bänder gleiten, wobei das Wasser verdunstete und Salz auskristallisierte. Auf diese Art konnten täglich – vorausgesetzt, das Wetter spielte mit – bis zu 3 Tonnen Sonnensalz fabriziert werden, das hauptsächlich als Badesalz und Inhalationssalz Verwendung fand. Es ist unter der Bezeichnung DÜRA-Sol vertrieben worden. Da die Grundfläche der Anlage 2.975 m² betrug, entsprach das einer Tagesproduktion von 1 kg pro m².

Die Sonnensalzanlage bestand aus 28 Kunststoffbändern, von denen jedes 85 cm breit und 125 m lang war. Jeweils 4 Bänder waren zu einer „Bändergruppe“ zusammengefasst und drehten sich um eine Antriebswelle mit einer Geschwindigkeit von ca. 3 m pro Minute. Am Ostende der Anlage wurde die Sole von Düsen auf die beweglichen Bänder gesprüht. Um die Absorption der Sonnenenergie und somit die Verdunstungsgeschwindigkeit zu erhöhen, hatte man die Bänder schwarz angestrichen. Dies ermöglichte ihre Erhitzung bis auf 60°C.

Nach Verdunstung des in der Sole enthaltenen Wassers blieb eine dünne Salzkruste zurück. Am gegenüberliegenden Ende war eine sogenannte Abstreifwalze in Betrieb, die das Salz auf ein Förderband „abschlug“. Auf diesem gelangte das fertig getrocknete Salz dann in den in der Mitte des geräumigen Salinenhofs befindlichen Verpackungsraum, der im ehemaligen Kantinengebäude (auch als Feierabendheim bekannt) untergebracht war.

Zugleich wurde die Anlage, die bis 1964 in Betrieb stand, auch als Freiluftinhalatorium genutzt. Die von 28 Düsen auf die Kunststoffbänder versprühte Sole reicherte nämlich die Luft mit fein pulverisierten Salzpartikeln an. Die „Salzluft“ in der Nähe der Anlage war an ihrem eigentümlichen Geruch, der große Ähnlichkeit mit der Seeluft aufwies, erkennbar und stellte ein nicht zu unterschätzendes Heilmittel insbesondere bei chronischen Leiden der Atmungsorgane dar.

Dennoch war die Rappenauer Sonnensalzanlage auf die Dauer wirtschaftlich nicht tragbar. Bei der Eindunstung der Sole in Sonnensalzanlagen kommt die weitaus wichtigste Rolle der Menge der eingestrahlten Sonnenenergie zu. In unseren Breiten ist aber die Zahl der sonnigen Tage leider begrenzt. Auch gegen plötzlich aufkommende Sturmböen waren die Kunststoffbänder sehr anfällig. 1964 ist daher die Anlage aus Rentabilitätsgründen stillgelegt und nach Marokko verkauft worden.

Fortsetzung folgt ...

 

Folge 3 - Der Großbrand auf der Saline im Jahr 1889

 

von Michael Konnerth
(Auszug aus „Die Bad Rappenauer Saline und ihre Geschichte" bzw. Heimatbote Nr. 2 / Dez. 1989)

Ein schwerer Schlag bedeutete für die Rappenauer Saline die Brandkatastrophe vom 12. März 1889, die das Siedehaus 3 samt dem dazugehörigen Magazin völlig zerstörte. In den zwei Telegrammen, die im Abstand von 12 Stunden abgeschickt wurden, heißt es:

  • „Siedehaus 3 brennt. Nördliches Beamtenhaus in Gefahr“
  •  „Siedehaus 3 mit Magazin bis auf den Grund abgebrannt. Die übrigen Gebäude gerettet“

Das 1823 vom Weinbrenner-Schüler Friedrich Arnold im klassizistischen Baustil errichtete Siedehaus 3, das in weniger als 4 Stunden ein Raub der Flammen werden sollte, war 68,5 Meter lang und 21,5 Meter breit. Wie aus dem 1869 angelegten „Feuerversicherungsbuch der Ludwig-Saline“ hervorgeht, betrug 1889 der Versicherungsanschlag von Siedehaus 3 47.150 Mark.

In einem Bericht der Domänendirektion an das Großherzogliche Finanzministerium in Karlsruhe vom 7. April 1889 wird detailliert auf den Brandhergang sowie dessen Ursachen und Folgen eingegangen. Darin heißt es unter anderem:
„Der Brand…brach in dem an der südwestlichen Ecke des Siedehauses gelegenen Materialkämmerchen – dem sogenannten Besenstübchen – aus. In dem Stübchen befanden sich zur Zeit des Brandausbruchs:

  • Ein alter, hölzerner Kasten, welcher früher zur Aufbewahrung des Lampenöls diente und infolgedessen stark von Fett durchdrungen war;
  •  Ein unmittelbar neben dem Kasten an der Wand befestigtes, ebenfalls mit Öl durchtränktes Brett (Bänkchen);
  • Eine auf diesem Bänkchen stehende Blechkanne mit ca. 6 Liter Erdöl nebst einem ca. ½ Liter fassenden Becher aus Blech zum Einfüllen des Erdöls in die Lampen;
  • 100 bis 120 Stück Reisigbesen, sowie einige Holzabfälle und etliche Gerätschaften.

In dem Besenstübchen pflegten die Sieder ihre Lampen mit Erdöl zu füllen. Besondere beim Brennen von Erdöl zu beachtende Vorschriften wurden von der Salinenverwaltung nicht erlassen, auch war es den Siedern nicht verboten, das Stübchen mit offenem Licht zu betreten und daselbst die brennenden Lampen mit Erdöl zu füllen.

Wenn während der Nachtzeit eine Lampe zu füllen war, so hatten es die Arbeiter in der Gewohnheit, die Dille der Lampe samt dem brennenden Dochte abzuschrauben, und das Öl durch die Dillenöffnung in die Lampe einzugießen. Dabei wurde die Dille mit dem brennenden Dochte entweder in der linken Hand zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten, oder auf das oben erwähnte Bänkchen gelegt. Daß auf diese Weise, sei es durch Herabfallen eines noch brennenden Batzens, oder durch Entzündung des Bänkchens ein Brand in dem Stübchen leicht möglich ist, liegt auf der Hand.

Um 7.20 Uhr (…) soll die Flamme zum Fenster des Stübchens hinausgeschlagen haben. Wie allseits versichert wurde, war dieses Fenster stets geschlossen. Es mußten deshalb um 7.20 Uhr die Fensterladen infolge einer hochgradigen Hitze, die doch nur durch ein starkes Feuer im Stübchen erzeugt werden konnte, gesprungen gewesen sein.

Da ungefähr zur gleichen Zeit, als die Flamme zum Fenster hinausschlug, von den Siedern die Türe des Stübchens bald nachher auch die Türe, welche die unmittelbar neben dem Stübchen gelegene Treppe vom Gewölbe abschließt, sowie das Hauptportal aufgerissen wurden, und infolgedessen ein heftiger Luftzug in der Richtung nach der ebenfalls in der Nähe des Stübchens befindlichen Öffnung des Dachraumes entstand, so ist es recht wohl erklärlich, dass sich das Feuer mit großer Geschwindigkeit unter dem Dache des Siedehauses fortpflanzte und schon in kurzer Zeit das ganze Siedehaus in Flammen stand. Gegen 9 Uhr wurde auch das an die östliche Giebelseite des Siedhauses angebaute Salzmagazin vom Feuer ergriffen und um 11 Uhr waren beide Gebäude und zwar das Siedhaus bis auf den Sockel und den steinernen Unterbau und das Magazin bis auf ein Stück Mauerwand, einem kleinen Teil des Bodengebälks, die Fundamente und Sockelmauerung niedergebrannt. Der ca. 30 m hohe Kamin des Siedhauses hat gleichfalls durch die Einwirkung der Hitze nicht unerheblich Not gelitten.

Außerdem sind das westlich vom dem Siedhaus gelegene Handmagazin 4 beschädigt worden, auf dessen Giebel das Feuer sich fortgepflanzt hatte, aber alsbald wieder gelöscht werden konnte und das nördliche Beamtenhaus, letzteres nur infolge von Löschmaßnahmen.“

Neben der oben beschriebenen möglichen Brandursache stand auch der Verdacht der absichtlichen Brandstiftung im Raum. Aber auch später konnte die Ursache des Brandes nicht geklärt werden.

In größter Eile begann die Salinenverwaltung noch 1889 mit der Wiederherstellung der vom Feuer vernichteten Gebäude. Zusätzlich wurde ein Anbau erstellt, in dem man eine Feinsalzpfanne einrichtete. Die Kosten beliefen sich auf 142.500 Mark, wobei der Saline eine Brandentschädigung von 49.389 Mark und 80 Pfennig aus der Generalbrandkasse erstattet wurde.

Der Großherzog persönlich ordnete am 19. Juni 1889 an, „für den Wiederaufbau der auf der Saline Rappenau abgebrannten Betriebsgebäude sowie für die Errichtung eines Anbaus zur Aufstellung einer Feinsalzpfanne daselbst“ die genannte Summe zu bewilligen.

Fortsetzung folgt ...

 

 

Folge 2 - Der Beginn der Sole-Bohrung am 23.02.1822

von Michael Konnerth
(Auszug aus "Die Bad Rappenauer Saline und ihre Geschichte)

Am 8. November 1821 erteilte die badische Regierung dem 1760 in Dürkheim geborenen Salineninspektor Georg Christian Heinrich Rosentritt die Bohrerlaubnis auf Rappenauer Gemarkung. Mit Rosentritt kam ein Mann nach Rappenau, der neben gediegenen Fachkenntnissen hervorragende praktische Erfahrungen besaß. Er war der Sohn des kurpfälzischen Salineninspektors Berthold Christian Rosentritt und war längere Zeit auf der Dürkheimer Gradiersaline tätig gewesen. Die erhaltene „Konzession zu Bohrversuchen auf Salz in der Gemarkung Rappenau“ bot dem Salineninspektor nun die Möglichkeit, seine hervorragenden Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Am 07. Januar 1822 finden wir Rosentritt in Rappenau, wo er zusammen mit Rentamtmann Wolf und Gutspächter Philipp Schmutz von der Gemmingenschen Grundherrschaft das für die Niederbringung der Versuchsbohrung benötigte Grundstück abmaß und den genauen Bohrpunkt festlegte.

Für die Versuchsbohrung wählte Rosentritt die flache, nach Osten zum Neckar hin entwässernde Talmulde, die im Süden vom Einsiedelwald und im Norden vom leicht ansteigenden Schwärzberg begrenzt wird. Ausschlaggebend für die Standortwahl war wohl die Nähe zu den erfolgreichen hessischen und württembergischen Bohrungen, um möglicherweise noch Anschluss an das Wimpfener Salzlager zu erreichen. Auch hoffte er, hier im östlichen Zipfel der Rappenauer Gemarkung, ganz nahe an der hessischen Grenze, das Salzlager unter hinreichend starker Überdeckung, u.a. auch durch abdichtende Tone des Keupers, noch einigermaßen unversehrt anzutreffen.

Das Bohrjournal Rosentritts ist verlorengegangen. Trotzdem wissen wir aus späteren Berichten des Inspektors ziemlich gut Bescheid über den Verlauf der Fundbohrung.

Mit den Vorarbeiten zum Versuchsbohrloch wurde am 23. Februar 1822 begonnen. Zunächst musste ein 38,5 Pariser Fuß (= 12,40 m) tiefer Schacht ausgehoben und verschalt werden. Hier stellten sich auch schon die ersten Schwierigkeiten ein. Der Wasserzutritt war unterwartet hoch und nur unter größter Anstrengung der gesamten Bohrmannschaft konnte der Schacht trockengelegt und die Bohrröhre eingemauert werden. Die Bohrröhre diente dem Zweck, das Bohrloch gegen Nachfall zu schützen, gleichzeitig wirkte sie als Führungsbahn für das mit dem Bohrschwengel hochzuhebende und niederfallende Bohrgerät. Sie erhöhte somit die Richtungsgenauigkeit.

Nach Beendigung dieser Arbeit stieg das Grundwasser im Schacht bis auf 5 Pariser Fuß (= 1,62 m). In einer Tiefe von 107 Pariser Fuß (= 34,75 m) wurde eine „offene leere Kluft“ angebohrt, wodurch das im Schacht angesammelte Wasser durch das Bohrloch hinunterstürzte und sich in der Kluft verlor. Nachdem bei 351 Pariser Fuß (= 114,0 m) die ersten Gipslagen erreicht waren, stieß der Meißel in 392 Pariser Fuß (= 127,33 m) Tiefe auf „von unten stark auftreibendes Wasser“, so dass der Bohrschmand (= sich im Bohrloch tiefst sammelnder Schlamm oder Bohrklein) „schwärmend“ wurde, „der Meißel blanck blieb“ und mit dem Schmandlöffel nicht hochgehoben werden konnte.

Doch ungeachtet dessen fuhr man mit den Bohrungen fort…

Fortsetzung folgt ...

 

Folge 1 - Das Großherzogtum Baden, der Ort Rappenau und die Salzsuche

von Inge und Rudolf Rothenhöfer
(gekürzte Fassung des Beitrags im Bad Rappenauer Heimatboten Nr.31, S. 26 ff.)

Die Eingliederung Rappenaus  in den badischen Staat
Der Vertrag vom 17. Juli 1806 zwischen Napoleon und den Rheinbundfürsten (die sogenannte Rheinbund-akte) schuf sowohl für die Markgrafschaft Baden wie auch für den Ort Rappenau eine neue Situation: Für Baden markierte er eine wichtige Station auf dem Weg zum Staat mittlerer Größe. Er brachte weiteren Gebietszuwachs und machte es zum Großherzogtum. Für Rappenau bedeutete der Vertrag das Ende seiner Zeit als Reichsritterort. Es war nicht sofort klar, welchem Staat Rappenau zugeordnet würde. Durch einen weiteren Vertrag vom 13. November 1806 zwischen Baden und Württemberg kam Rappenau dann zum Großherzogtum Baden.

Der Weg zur gelungenen Fundbohrung in Rappenau, das Ende der Salzarmut in Baden
Als Karl Friedrich von Baden noch Markgraf von Baden-Durlach war, hatte sein Land keine eigene Saline. Inzwischen erfuhr sein Land, wie schon erwähnt, eine starke territoriale Vergrößerung. Zu den neu hinzugekommenen ehemals nicht badischen Städten gehörten Bruchsal und Mosbach. Beide Städte hatten eine eigene Saline, die aber nur eine dürftige Ausbeute erbrachten. Die Salzarmut des Großherzogtums war mit ihnen nicht zu beheben. Da aber Kochsalz lebensnotwendig ist, musste der Salzbedarf durch Einfuhr gedeckt werden. Für das Großherzogtum Baden war Kochsalz also im wesentlichen ein den Staatsetat belastender Importartikel.

Bereits den Salinisten früherer Zeiten war klar, dass Solen, also kochsalzhaltige Wässer, da entstehen, wo Wasser in der Tiefe der Erde auf Steinsalz trifft, das man durch immer tiefere Bohrungen erreichen wollte. Die unversehrte Steinsalzlagerstätte sollte dann also Wasser mit einem Salzgehalt nahe der Sättigungsgrenze liefern, wodurch die kostspielige Gradierung wegfallen würde. Leider war aber so ein Salzflöz bisher noch nicht erreicht worden.

1806 folgte der in Wilna lehrende Prof. Carl Christian von Langsdorf einem Ruf an die Universität Heidelberg Er war bekannt als Verfasser der "Anleitung zur Salzwerkskunde". Sehr bald bemühte er sich, den geologischen Bau im Großherzogtum Baden zu erforschen. Seine Devise war: "Unsere Solen kommen ursprünglich aus Steinsalz". Die neue von ihm propagierte Methode hieß Fundbohrung. Sie sollte durch Bohrung in bisher noch nicht erreichte Tiefen die nötigen Kenntnisse vom Aufbau der Erdschichten liefern und zur Auffindung vorhandener Steinsalzlager führen.

Zunächst fand eine Bohrung in Heinsheim am Saubörzel statt, wo man schon früher Salzwasseraustritt beobachtet hatte. Ein Heinsheimer Bürger schrieb an den Großherzog von Baden, seinen neuen Landesherrn, dass sich mit Bestimmtheit gute Sole unter Heinsheimer Grund befinde. Professor von Langsdorf wurde darauf von der Regierung mit der Untersuchung beauftragt, fand aber keine Salzquellen oder Salzbrunnen mehr vor und riet von der Suche in Heinsheim ab.

Inzwischen wurde im benachbarten Württemberg eine Bohrung angesetzt. Der Bergassessor Bilfinger begann damit 1 km südöstlich von Jagstfeld am 17. August 1812. Die Bohrung dauerte bis März 1816; dann fand man in einer Tiefe von 140,7 m ein Salzflöz mit einer darüber ruhenden gesättigten Sole, die den Bau einer Saline ohne aufwendige Gradierung gestattete.

Diese erfolgreiche Fundbohrung in Jagstfeld im Jahre 1816 gelang zum ersten Mal in Mitteleuropa. Das Steinsalzflöz gehörte geologisch in den Bereich des Mittleren Muschelkalks, war also vor etwa 250 Millionen Jahren entstanden.

Die nächste erfolgreiche Fundbohrung fand in Wimpfen im Tal statt, wo Christian Friedrich Glenck, der Stiefsohn von Langsdorfs, am 19. Januar 1819 zu bohren begann. Er arbeitete mit viel Geschick und verbesserte laufend die Methoden der Bohrung, so dass schon nach 298 Tagen, die Bohrung bei einer Tiefe von 142 m erfolgreich war. Es konnte eine gesättigte Sole gewonnen werden. Im damals hessischen Wimpfen entstand die Saline Ludwigshalle.

Im Dreiländereck, wo Württemberg, Hessen und Baden aufeinandertrafen, hatten nun Württemberg und Hessen große Salzvorkommen erschlossen. Beide Salinen in Jagstfeld und Wimpfen waren zudem günstig am Neckar gelegen. Das Land Baden hatte bisher bei Bohrungen kein Glück.

Rappenau im Neckarhochland erschien durch seine Rahmenbedingungen als Salinenstandort ungeeignet: Anlegestellen der Schiffe am Neckar waren relativ weit entfernt, die Wege und Straßen dahin schlecht. Für Siedepfannen hätte das verfügbare Brennholz gefehlt  und für Solepumpen das Antriebswasser.

Dennoch suchte der Salinist Christian F. Rosentritt, angeregt von den Erfolgen Glencks in Wimpfen, auf Rappenauer Gemarkung nach Steinsalz. Die erste Bohrstelle lag nahe an der hessischen Landesgrenze. Diese Fundbohrung nahm nur sechseinhalb Monate in Anspruch. Es wurde rund um die Uhr gebohrt. Rosentritt erwähnt in einem Bericht den geschickten Mechanikus Ott und "die musterhafte Treue unserer braven Rappenauer Arbeiter". Ott hatte vermutlich von Glenck in Wimpfen neuentwickelte Bohr- und Fangwerkzeuge nachgebaut und eingesetzt. Am Morgen des 11. September 1822 konnte aus einer Tiefe von 175 Meter pures Steinsalz mit dem Löffel heraufgeholt werden. Am 9. April 1823 übernahm der badische Staat das Bohrloch. Da im selben Jahr (1822) in Dürrheim ebenfalls ein Salzvorkommen gefunden wurde, war der Eigenbedarf des Großherzogtums Baden in Bezug auf Kochsalz fortan gesichert.

Rückblick
Rückblickend kann man sagen: Es mussten verschiedene Ereignisse zusammenkommen, damit in Rappenau eine Saline gebaut werden konnte.

1. Rappenau kam 1806 zu Baden, wo 1822 immer noch Salzmangel herrschte. Hessen und Württemberg waren inzwischen mit Salinen versorgt. Wäre Rappenau zu Hessen oder zu Württemberg gekommen, hätte sich für diese Länder eine weitere Saline im Neckarhochland erübrigt.

2. In Baden mussten bisherige Fundbohrungen in Orten mit besseren Rahmenbedingungen ( in Neckarmühlbach, in Heinsheim und anderswo) wegen Salzmangels infolge Auslaugung durch den Neckar ergebnislos verlaufen, damit Rappenau im Neckarhochland als Ort für eine Fundbohrung gewählt wurde.

3. Ein fähiger Salinist wie Rosentritt musste die Risikobereitschaft und das nötige Geld aufbringen, damit ihm die Regierung in Karlsruhe vertraute und die Genehmigung zur Bohrung in Rappenau erteilte. Die Nähe zu Wimpfen und die neue erfolgreiche Methode Glencks waren für seine eigenen Versuche vorbildhaft.
Die Gemeinde Rappenau ehrte die Leistung Rosentritts 1836 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde.

4. Die Zugehörigkeit Rappenaus zu Baden erwies sich für beide Seiten als Gewinn. Durch die Entdeckung des Salzlagers auf Rappenauer Gemarkung konnte das Land seine Salzarmut beheben und seine finanziellen Nöte mildern. Für Rappenau ergaben sich durch den Bau einer Staatssaline neue Entwicklungsmöglichkeiten.
Der entscheidende Anfang dieser Entwicklung bleibt mit der gelungenen Fundbohrung und mit dem Großherzogtum Baden verbunden.

Fortsetzung folgt ...