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Bad Rappenau
- 28. Januar 2022

200 Jahre Sole Bad Rappenau

Heizung Siedepfannen ©Stadtarchiv Bad Rappenau

von weithin sichtbar: Kamine der Saline © Bildautor unbekannt

Sonnensalzanlage ©Stadtarchiv Bad Rappenau

Sonnensalzanlage © Stadtarchiv Bad Rappenau

Planzeichung Siedehaus 3

Fahrbarer Bohrturm @BTB/SBühler

Bohrhaus und Tretrad im Winterkleid ©Almut Friedrich

Im Jubiläumsjahr 2022 erscheint hier monatlich eine Folge der Geschichte der Bad Rappenauer Saline.

NEUE FOLGE: 13.05.2022

Das Veranstaltungsprogramm zum Jubiläum finden Sie hier - einfach klicken ...

Folge 6 - Mündliche Überlieferungen aus dem Salinenalltag - Heizung Siedepfannen

Aufgezeichnet von Erich Schuh

In einer zweiten Geschichte wird uns Herbert Künzel etwas über die technische Befeuerung der Saline und der Siedepfannen erzählen.

Als Heizungsbauer arbeitete er vor seiner eigenen Betriebseröffnung bei der Firma Stark und Hartmann aus Heilbronn. Diese Firma hatte alle heiztechnischen Arbeiten in der Saline zu verrichten. So kam es, dass Herbert Künzel oft Monate am Stück in der Saline arbeitete. Er hat sich als echter Kenner der Anlage erwiesen. Dies war in den 50er und Anfang der 60er Jahre.

Ihm ist noch in Erinnerung, dass die Salzsieder – das waren die Arbeiter direkt an der Siedepfanne – öfter Knackwürste oder Ringschinkenwurst dabeihatten, um zur Vesperzeit diese in der Siedepfanne zu erhitzen. Gemeinsam wurde das Gut verspeist. In der Rettich–Zeit brachten die Saliner zusätzlich große, weiße Rettiche mit, die ebenfalls in der Siedepfanne erwärmt wurden. Das war wohl ein besonderer Genuss. Eher wurde der Rettich nur kurz eingetaucht, um ihm den Salzgeschmack zu verleihen.

Nun gehen wir zur Wurffeuerung. Diese wurde ab 1933 eingerichtet. Seit der Einführung dieser Neuerung mussten die Heizer nur noch die großen Kohletrichter vor den Feuerungen befüllen. Die Wurfanlage war mit einem starken Spannfedersystem ausgestattet, das die Kohle in vorher bestimmten Zeiträumen portioniert in den Feuerraum unter der Siedepfanne schleuderte. Das Auslösen dieser Wurffeuerungsanlage sorgte für einen ohrenbetäubenden Lärm .....

Fortsetzung folgt ...

 

Folge 5 - Mündliche Überlieferungen aus dem Salinenalltag - Kaminbau

 

Aufgezeichnet von Erich Schuh

Zwei alte Rappenauer haben mir einiges aus der Saline anvertraut, dass nicht im Salinenbuch von Michael Konnerth zu lesen ist.              

So war es die Geschichte des Kaminbaus für die neue Saline, die in den Jahren 1927 – 1935 errichtet wurde. Otto Kirrstetter, der mit seinen Eltern „auf der Saline“ wohnte, hat als Junge vom Küchenfenster aus die Kaminbauarbeiten beobachten können. Das linke Offizianten-Haus und darin die nördliche Wohnung, die den Kaminen am nächsten lag, war seine Zuschauertribüne. So konnte er das Geschehen verfolgen, wie die Kamine in die Höhe gewachsen sind. Es war ja schließlich etwas ganz Außergewöhnliches. So etwas sieht man nur einmal im Leben. Und da muss man genau hinschauen, dachte sich der kleine Otto.  Je höher die Kamine wuchsen, umso interessanter wurde das Spektakel. Immerhin, 60 Meter sollten sie in den Rappenauer Himmel ragen. 

Als in diesen Jahren die neue Saline errichtet wurde, benötigte man zwei große Kamine; je einen für den A-Bau und ebenso für den B–Bau. Da das gesamte Gebäude spiegelgleich gebaut wurde entstand ein einmaliges Ensemble. Nur die Innenausstattung der beiden Siedekomplexe war unterschiedlich. Der, von Anfang an, modernere A-Bau bekam Siedepfannen mit automatischem Salzauszug für Fein- und Speisesalz. Im B–Bau befanden sich Siedepfannen für Grob–Salz, das als Vieh- und Streusalz benutzt wurde. Der Auszug des Salzes wurde von Hand getätigt. Durch die längere Verweildauer des Salzes in der Pfanne entstand das großkristalline Grob–Salz. Alle weitere Verarbeitung des Salzes fand im mittleren, 70 Meter langen, Zentralbau statt. Die Zentrifugen und Bandtrockner, die mit der Abwärme der Befeuerung beschickt wurden, bereiteten das Salz zur Verpackung vor. Das Speisesalz wurde bis zur Endverpackung von keiner menschlichen Hand berührt. Das Grob–Salz wurde über Förderanlagen in große Trichter geleitet, um die Sackware abzufüllen. Die gesamte Lagerung des fertigen Salzes war im Zentralbau untergebracht. So konnte das Salz direkt über Laderampen in die Güterwaggons oder LKWs verladen werden.                             

Um solche Kamine zu erstellen, benötigte man echte Fachleute. Schließlich musste bei einem runden Kamin dieser Höhe jeder Steinkranz seine eigene Krümmung aufweisen. Nach oben hin bedurfte es die Einberechnung einer Verjüngung. So wiesen die Steine im oberen Bereich ein anderes Maß auf als die unteren Grundsteine. Man kann schon von einer Kaminbaukunst sprechen. Kleine Familienbetriebe waren es, die diese Handwerkskunst beherrschten. Im Rappenauer Fall war es ein Vater mit seinen zwei Söhnen. Otto sah, wie das Außengerüst mit dem Wachsen der Kamine nach oben mitwanderte. Im Inneren des Kamins hatte man ein Fangnetz angebracht, damit nach Innen abstürzende Gegenstände nicht nach unten fallen konnten. Aber auch die Kaminbauer sollten dadurch geschützt werden. Mit einem Lotterrad wurde an einem langen Seil das Baumaterial nach oben gezogen. Dabei kam auch manches Fässchen Bier der Brauerei Häffner mit nach oben. Doch welch eine Erkenntnis: Ein Kamin zeigte sich in Schieflage. Er musste bis zur Abweichung wieder zurückgebaut werden. Bei diesem Rückbau, so berichtet Otto Kirrstetter, traf die Spitzhacke einen der Kaminbauer am Kopf. Blutüberströmt fiel er ins Innennetz. In aller Eile wurde er in die Vulpius-Klinik gebracht, dort „verarztet“ und…... Tags darauf gingen die Bauarbeiten weiter. Mit einem Unterschied: Einer von den Dreien trug einen weißen Turban. Und beim wiederholten und gelungenen Aufbau war wieder alles beim Alten. Kaminsteine, Mörtel und das tägliche Fässchen Häffner Bier wanderten wie gewohnt nach oben bis zum Abschluss der Arbeiten.                                 

Wir etwas jüngeren Rappenauer kannten nur zwei schnurgerade Kamine der Saline, die wie Fingerzeige in den Himmel ragten. Nach der Stilllegung der Saline wurden die Kamine am 21.01.1974 gesprengt. Damit wurde ein Wahrzeichen Bad Rappenaus niedergelegt, das weithin sichtbar war und auch geografisch als Orientierung diente.

In einer zweiten von Erich Schuh aufgeschriebenen Geschichte wird uns Herbert Künzel bald etwas über die technische Befeuerung der Saline und der Siedepfannen erzählen…

Fortsetzung folgt ...

 

 

Folge 4 - Technische Neuerungen auf der Saline - die Sonnensalzanlage

von Michael Konnerth
(Auszug aus „Die Bad Rappenauer Saline und ihre Geschichte)

Nach dem 2. Weltkrieg kam es öfters zu Verknappungen des Kohlevorrats und auch die Kohlenpreise schnellten in die Höhe und gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit des Siedesalzes in bis dahin noch kaum gekanntem Maße. Kein Wunder, dass man sich Gedanken über die Umstellung auf ein billigeres Herstellungsverfahren machte.

Schließlich erinnerte man sich an die Sonnensalzbereitung in den südlichen Ländern sowie an die Anfangsjahre der Saline, als auch in Rappenau versucht worden war, die Sole an der Sonne zu verdunsten und somit Salz auf natürlichem Wege zu gewinnen. So soll (nach Hans Vogt) 1831 auf der Rappenauer Saline ein „Trockenkanal zur Bereitung von Salz im Freien“ ausgehoben worden sein. Bei fehlender günstiger Witterung soll damals sogar versucht worden sein, die Abdämpfe aus den Siedehäusern zur Sonnensalzanlage zu leiten, um dadurch die Verdunstung und somit die Salzausscheidung zu beschleunigen. Rentierlich scheint dies nicht gewesen zu sein, denn bereits 1837 ermächtigte die Direktion der Salinen-, Berg- und Hüttenwerke die Salinenverwaltung, alle diesbezüglichen Einrichtungen abzutragen und das noch brauchbare Material zu anderen Zwecken zu verwenden.

Die Idee wurde dann 1954 vom damaligen Salinendirektor Dr. Lotz wieder aufgegriffen. Er ließ die Sole auf bewegliche Bänder gleiten, wobei das Wasser verdunstete und Salz auskristallisierte. Auf diese Art konnten täglich – vorausgesetzt, das Wetter spielte mit – bis zu 3 Tonnen Sonnensalz fabriziert werden, das hauptsächlich als Badesalz und Inhalationssalz Verwendung fand. Es ist unter der Bezeichnung DÜRA-Sol vertrieben worden. Da die Grundfläche der Anlage 2.975 m² betrug, entsprach das einer Tagesproduktion von 1 kg pro m².

Die Sonnensalzanlage bestand aus 28 Kunststoffbändern, von denen jedes 85 cm breit und 125 m lang war. Jeweils 4 Bänder waren zu einer „Bändergruppe“ zusammengefasst und drehten sich um eine Antriebswelle mit einer Geschwindigkeit von ca. 3 m pro Minute. Am Ostende der Anlage wurde die Sole von Düsen auf die beweglichen Bänder gesprüht. Um die Absorption der Sonnenenergie und somit die Verdunstungsgeschwindigkeit zu erhöhen, hatte man die Bänder schwarz angestrichen. Dies ermöglichte ihre Erhitzung bis auf 60°C.

Nach Verdunstung des in der Sole enthaltenen Wassers blieb eine dünne Salzkruste zurück. Am gegenüberliegenden Ende war eine sogenannte Abstreifwalze in Betrieb, die das Salz auf ein Förderband „abschlug“. Auf diesem gelangte das fertig getrocknete Salz dann in den in der Mitte des geräumigen Salinenhofs befindlichen Verpackungsraum, der im ehemaligen Kantinengebäude (auch als Feierabendheim bekannt) untergebracht war.

Zugleich wurde die Anlage, die bis 1964 in Betrieb stand, auch als Freiluftinhalatorium genutzt. Die von 28 Düsen auf die Kunststoffbänder versprühte Sole reicherte nämlich die Luft mit fein pulverisierten Salzpartikeln an. Die „Salzluft“ in der Nähe der Anlage war an ihrem eigentümlichen Geruch, der große Ähnlichkeit mit der Seeluft aufwies, erkennbar und stellte ein nicht zu unterschätzendes Heilmittel insbesondere bei chronischen Leiden der Atmungsorgane dar.

Dennoch war die Rappenauer Sonnensalzanlage auf die Dauer wirtschaftlich nicht tragbar. Bei der Eindunstung der Sole in Sonnensalzanlagen kommt die weitaus wichtigste Rolle der Menge der eingestrahlten Sonnenenergie zu. In unseren Breiten ist aber die Zahl der sonnigen Tage leider begrenzt. Auch gegen plötzlich aufkommende Sturmböen waren die Kunststoffbänder sehr anfällig. 1964 ist daher die Anlage aus Rentabilitätsgründen stillgelegt und nach Marokko verkauft worden.

Fortsetzung folgt ...

 

Folge 3 - Der Großbrand auf der Saline im Jahr 1889

 

von Michael Konnerth
(Auszug aus „Die Bad Rappenauer Saline und ihre Geschichte" bzw. Heimatbote Nr. 2 / Dez. 1989)

Ein schwerer Schlag bedeutete für die Rappenauer Saline die Brandkatastrophe vom 12. März 1889, die das Siedehaus 3 samt dem dazugehörigen Magazin völlig zerstörte. In den zwei Telegrammen, die im Abstand von 12 Stunden abgeschickt wurden, heißt es:

  • „Siedehaus 3 brennt. Nördliches Beamtenhaus in Gefahr“
  •  „Siedehaus 3 mit Magazin bis auf den Grund abgebrannt. Die übrigen Gebäude gerettet“

Das 1823 vom Weinbrenner-Schüler Friedrich Arnold im klassizistischen Baustil errichtete Siedehaus 3, das in weniger als 4 Stunden ein Raub der Flammen werden sollte, war 68,5 Meter lang und 21,5 Meter breit. Wie aus dem 1869 angelegten „Feuerversicherungsbuch der Ludwig-Saline“ hervorgeht, betrug 1889 der Versicherungsanschlag von Siedehaus 3 47.150 Mark.

In einem Bericht der Domänendirektion an das Großherzogliche Finanzministerium in Karlsruhe vom 7. April 1889 wird detailliert auf den Brandhergang sowie dessen Ursachen und Folgen eingegangen. Darin heißt es unter anderem:
„Der Brand…brach in dem an der südwestlichen Ecke des Siedehauses gelegenen Materialkämmerchen – dem sogenannten Besenstübchen – aus. In dem Stübchen befanden sich zur Zeit des Brandausbruchs:

  • Ein alter, hölzerner Kasten, welcher früher zur Aufbewahrung des Lampenöls diente und infolgedessen stark von Fett durchdrungen war;
  •  Ein unmittelbar neben dem Kasten an der Wand befestigtes, ebenfalls mit Öl durchtränktes Brett (Bänkchen);
  • Eine auf diesem Bänkchen stehende Blechkanne mit ca. 6 Liter Erdöl nebst einem ca. ½ Liter fassenden Becher aus Blech zum Einfüllen des Erdöls in die Lampen;
  • 100 bis 120 Stück Reisigbesen, sowie einige Holzabfälle und etliche Gerätschaften.

In dem Besenstübchen pflegten die Sieder ihre Lampen mit Erdöl zu füllen. Besondere beim Brennen von Erdöl zu beachtende Vorschriften wurden von der Salinenverwaltung nicht erlassen, auch war es den Siedern nicht verboten, das Stübchen mit offenem Licht zu betreten und daselbst die brennenden Lampen mit Erdöl zu füllen.

Wenn während der Nachtzeit eine Lampe zu füllen war, so hatten es die Arbeiter in der Gewohnheit, die Dille der Lampe samt dem brennenden Dochte abzuschrauben, und das Öl durch die Dillenöffnung in die Lampe einzugießen. Dabei wurde die Dille mit dem brennenden Dochte entweder in der linken Hand zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten, oder auf das oben erwähnte Bänkchen gelegt. Daß auf diese Weise, sei es durch Herabfallen eines noch brennenden Batzens, oder durch Entzündung des Bänkchens ein Brand in dem Stübchen leicht möglich ist, liegt auf der Hand.

Um 7.20 Uhr (…) soll die Flamme zum Fenster des Stübchens hinausgeschlagen haben. Wie allseits versichert wurde, war dieses Fenster stets geschlossen. Es mußten deshalb um 7.20 Uhr die Fensterladen infolge einer hochgradigen Hitze, die doch nur durch ein starkes Feuer im Stübchen erzeugt werden konnte, gesprungen gewesen sein.

Da ungefähr zur gleichen Zeit, als die Flamme zum Fenster hinausschlug, von den Siedern die Türe des Stübchens bald nachher auch die Türe, welche die unmittelbar neben dem Stübchen gelegene Treppe vom Gewölbe abschließt, sowie das Hauptportal aufgerissen wurden, und infolgedessen ein heftiger Luftzug in der Richtung nach der ebenfalls in der Nähe des Stübchens befindlichen Öffnung des Dachraumes entstand, so ist es recht wohl erklärlich, dass sich das Feuer mit großer Geschwindigkeit unter dem Dache des Siedehauses fortpflanzte und schon in kurzer Zeit das ganze Siedehaus in Flammen stand. Gegen 9 Uhr wurde auch das an die östliche Giebelseite des Siedhauses angebaute Salzmagazin vom Feuer ergriffen und um 11 Uhr waren beide Gebäude und zwar das Siedhaus bis auf den Sockel und den steinernen Unterbau und das Magazin bis auf ein Stück Mauerwand, einem kleinen Teil des Bodengebälks, die Fundamente und Sockelmauerung niedergebrannt. Der ca. 30 m hohe Kamin des Siedhauses hat gleichfalls durch die Einwirkung der Hitze nicht unerheblich Not gelitten.

Außerdem sind das westlich vom dem Siedhaus gelegene Handmagazin 4 beschädigt worden, auf dessen Giebel das Feuer sich fortgepflanzt hatte, aber alsbald wieder gelöscht werden konnte und das nördliche Beamtenhaus, letzteres nur infolge von Löschmaßnahmen.“

Neben der oben beschriebenen möglichen Brandursache stand auch der Verdacht der absichtlichen Brandstiftung im Raum. Aber auch später konnte die Ursache des Brandes nicht geklärt werden.

In größter Eile begann die Salinenverwaltung noch 1889 mit der Wiederherstellung der vom Feuer vernichteten Gebäude. Zusätzlich wurde ein Anbau erstellt, in dem man eine Feinsalzpfanne einrichtete. Die Kosten beliefen sich auf 142.500 Mark, wobei der Saline eine Brandentschädigung von 49.389 Mark und 80 Pfennig aus der Generalbrandkasse erstattet wurde.

Der Großherzog persönlich ordnete am 19. Juni 1889 an, „für den Wiederaufbau der auf der Saline Rappenau abgebrannten Betriebsgebäude sowie für die Errichtung eines Anbaus zur Aufstellung einer Feinsalzpfanne daselbst“ die genannte Summe zu bewilligen.

Fortsetzung folgt ...

 

 

Folge 2 - Der Beginn der Sole-Bohrung am 23.02.1822

von Michael Konnerth
(Auszug aus "Die Bad Rappenauer Saline und ihre Geschichte)

Am 8. November 1821 erteilte die badische Regierung dem 1760 in Dürkheim geborenen Salineninspektor Georg Christian Heinrich Rosentritt die Bohrerlaubnis auf Rappenauer Gemarkung. Mit Rosentritt kam ein Mann nach Rappenau, der neben gediegenen Fachkenntnissen hervorragende praktische Erfahrungen besaß. Er war der Sohn des kurpfälzischen Salineninspektors Berthold Christian Rosentritt und war längere Zeit auf der Dürkheimer Gradiersaline tätig gewesen. Die erhaltene „Konzession zu Bohrversuchen auf Salz in der Gemarkung Rappenau“ bot dem Salineninspektor nun die Möglichkeit, seine hervorragenden Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Am 07. Januar 1822 finden wir Rosentritt in Rappenau, wo er zusammen mit Rentamtmann Wolf und Gutspächter Philipp Schmutz von der Gemmingenschen Grundherrschaft das für die Niederbringung der Versuchsbohrung benötigte Grundstück abmaß und den genauen Bohrpunkt festlegte.

Für die Versuchsbohrung wählte Rosentritt die flache, nach Osten zum Neckar hin entwässernde Talmulde, die im Süden vom Einsiedelwald und im Norden vom leicht ansteigenden Schwärzberg begrenzt wird. Ausschlaggebend für die Standortwahl war wohl die Nähe zu den erfolgreichen hessischen und württembergischen Bohrungen, um möglicherweise noch Anschluss an das Wimpfener Salzlager zu erreichen. Auch hoffte er, hier im östlichen Zipfel der Rappenauer Gemarkung, ganz nahe an der hessischen Grenze, das Salzlager unter hinreichend starker Überdeckung, u.a. auch durch abdichtende Tone des Keupers, noch einigermaßen unversehrt anzutreffen.

Das Bohrjournal Rosentritts ist verlorengegangen. Trotzdem wissen wir aus späteren Berichten des Inspektors ziemlich gut Bescheid über den Verlauf der Fundbohrung.

Mit den Vorarbeiten zum Versuchsbohrloch wurde am 23. Februar 1822 begonnen. Zunächst musste ein 38,5 Pariser Fuß (= 12,40 m) tiefer Schacht ausgehoben und verschalt werden. Hier stellten sich auch schon die ersten Schwierigkeiten ein. Der Wasserzutritt war unterwartet hoch und nur unter größter Anstrengung der gesamten Bohrmannschaft konnte der Schacht trockengelegt und die Bohrröhre eingemauert werden. Die Bohrröhre diente dem Zweck, das Bohrloch gegen Nachfall zu schützen, gleichzeitig wirkte sie als Führungsbahn für das mit dem Bohrschwengel hochzuhebende und niederfallende Bohrgerät. Sie erhöhte somit die Richtungsgenauigkeit.

Nach Beendigung dieser Arbeit stieg das Grundwasser im Schacht bis auf 5 Pariser Fuß (= 1,62 m). In einer Tiefe von 107 Pariser Fuß (= 34,75 m) wurde eine „offene leere Kluft“ angebohrt, wodurch das im Schacht angesammelte Wasser durch das Bohrloch hinunterstürzte und sich in der Kluft verlor. Nachdem bei 351 Pariser Fuß (= 114,0 m) die ersten Gipslagen erreicht waren, stieß der Meißel in 392 Pariser Fuß (= 127,33 m) Tiefe auf „von unten stark auftreibendes Wasser“, so dass der Bohrschmand (= sich im Bohrloch tiefst sammelnder Schlamm oder Bohrklein) „schwärmend“ wurde, „der Meißel blanck blieb“ und mit dem Schmandlöffel nicht hochgehoben werden konnte.

Doch ungeachtet dessen fuhr man mit den Bohrungen fort…

Fortsetzung folgt ...

 

Folge 1 - Das Großherzogtum Baden, der Ort Rappenau und die Salzsuche

von Inge und Rudolf Rothenhöfer
(gekürzte Fassung des Beitrags im Bad Rappenauer Heimatboten Nr.31, S. 26 ff.)

Die Eingliederung Rappenaus  in den badischen Staat
Der Vertrag vom 17. Juli 1806 zwischen Napoleon und den Rheinbundfürsten (die sogenannte Rheinbund-akte) schuf sowohl für die Markgrafschaft Baden wie auch für den Ort Rappenau eine neue Situation: Für Baden markierte er eine wichtige Station auf dem Weg zum Staat mittlerer Größe. Er brachte weiteren Gebietszuwachs und machte es zum Großherzogtum. Für Rappenau bedeutete der Vertrag das Ende seiner Zeit als Reichsritterort. Es war nicht sofort klar, welchem Staat Rappenau zugeordnet würde. Durch einen weiteren Vertrag vom 13. November 1806 zwischen Baden und Württemberg kam Rappenau dann zum Großherzogtum Baden.

Der Weg zur gelungenen Fundbohrung in Rappenau, das Ende der Salzarmut in Baden
Als Karl Friedrich von Baden noch Markgraf von Baden-Durlach war, hatte sein Land keine eigene Saline. Inzwischen erfuhr sein Land, wie schon erwähnt, eine starke territoriale Vergrößerung. Zu den neu hinzugekommenen ehemals nicht badischen Städten gehörten Bruchsal und Mosbach. Beide Städte hatten eine eigene Saline, die aber nur eine dürftige Ausbeute erbrachten. Die Salzarmut des Großherzogtums war mit ihnen nicht zu beheben. Da aber Kochsalz lebensnotwendig ist, musste der Salzbedarf durch Einfuhr gedeckt werden. Für das Großherzogtum Baden war Kochsalz also im wesentlichen ein den Staatsetat belastender Importartikel.

Bereits den Salinisten früherer Zeiten war klar, dass Solen, also kochsalzhaltige Wässer, da entstehen, wo Wasser in der Tiefe der Erde auf Steinsalz trifft, das man durch immer tiefere Bohrungen erreichen wollte. Die unversehrte Steinsalzlagerstätte sollte dann also Wasser mit einem Salzgehalt nahe der Sättigungsgrenze liefern, wodurch die kostspielige Gradierung wegfallen würde. Leider war aber so ein Salzflöz bisher noch nicht erreicht worden.

1806 folgte der in Wilna lehrende Prof. Carl Christian von Langsdorf einem Ruf an die Universität Heidelberg Er war bekannt als Verfasser der "Anleitung zur Salzwerkskunde". Sehr bald bemühte er sich, den geologischen Bau im Großherzogtum Baden zu erforschen. Seine Devise war: "Unsere Solen kommen ursprünglich aus Steinsalz". Die neue von ihm propagierte Methode hieß Fundbohrung. Sie sollte durch Bohrung in bisher noch nicht erreichte Tiefen die nötigen Kenntnisse vom Aufbau der Erdschichten liefern und zur Auffindung vorhandener Steinsalzlager führen.

Zunächst fand eine Bohrung in Heinsheim am Saubörzel statt, wo man schon früher Salzwasseraustritt beobachtet hatte. Ein Heinsheimer Bürger schrieb an den Großherzog von Baden, seinen neuen Landesherrn, dass sich mit Bestimmtheit gute Sole unter Heinsheimer Grund befinde. Professor von Langsdorf wurde darauf von der Regierung mit der Untersuchung beauftragt, fand aber keine Salzquellen oder Salzbrunnen mehr vor und riet von der Suche in Heinsheim ab.

Inzwischen wurde im benachbarten Württemberg eine Bohrung angesetzt. Der Bergassessor Bilfinger begann damit 1 km südöstlich von Jagstfeld am 17. August 1812. Die Bohrung dauerte bis März 1816; dann fand man in einer Tiefe von 140,7 m ein Salzflöz mit einer darüber ruhenden gesättigten Sole, die den Bau einer Saline ohne aufwendige Gradierung gestattete.

Diese erfolgreiche Fundbohrung in Jagstfeld im Jahre 1816 gelang zum ersten Mal in Mitteleuropa. Das Steinsalzflöz gehörte geologisch in den Bereich des Mittleren Muschelkalks, war also vor etwa 250 Millionen Jahren entstanden.

Die nächste erfolgreiche Fundbohrung fand in Wimpfen im Tal statt, wo Christian Friedrich Glenck, der Stiefsohn von Langsdorfs, am 19. Januar 1819 zu bohren begann. Er arbeitete mit viel Geschick und verbesserte laufend die Methoden der Bohrung, so dass schon nach 298 Tagen, die Bohrung bei einer Tiefe von 142 m erfolgreich war. Es konnte eine gesättigte Sole gewonnen werden. Im damals hessischen Wimpfen entstand die Saline Ludwigshalle.

Im Dreiländereck, wo Württemberg, Hessen und Baden aufeinandertrafen, hatten nun Württemberg und Hessen große Salzvorkommen erschlossen. Beide Salinen in Jagstfeld und Wimpfen waren zudem günstig am Neckar gelegen. Das Land Baden hatte bisher bei Bohrungen kein Glück.

Rappenau im Neckarhochland erschien durch seine Rahmenbedingungen als Salinenstandort ungeeignet: Anlegestellen der Schiffe am Neckar waren relativ weit entfernt, die Wege und Straßen dahin schlecht. Für Siedepfannen hätte das verfügbare Brennholz gefehlt  und für Solepumpen das Antriebswasser.

Dennoch suchte der Salinist Christian F. Rosentritt, angeregt von den Erfolgen Glencks in Wimpfen, auf Rappenauer Gemarkung nach Steinsalz. Die erste Bohrstelle lag nahe an der hessischen Landesgrenze. Diese Fundbohrung nahm nur sechseinhalb Monate in Anspruch. Es wurde rund um die Uhr gebohrt. Rosentritt erwähnt in einem Bericht den geschickten Mechanikus Ott und "die musterhafte Treue unserer braven Rappenauer Arbeiter". Ott hatte vermutlich von Glenck in Wimpfen neuentwickelte Bohr- und Fangwerkzeuge nachgebaut und eingesetzt. Am Morgen des 11. September 1822 konnte aus einer Tiefe von 175 Meter pures Steinsalz mit dem Löffel heraufgeholt werden. Am 9. April 1823 übernahm der badische Staat das Bohrloch. Da im selben Jahr (1822) in Dürrheim ebenfalls ein Salzvorkommen gefunden wurde, war der Eigenbedarf des Großherzogtums Baden in Bezug auf Kochsalz fortan gesichert.

Rückblick
Rückblickend kann man sagen: Es mussten verschiedene Ereignisse zusammenkommen, damit in Rappenau eine Saline gebaut werden konnte.

1. Rappenau kam 1806 zu Baden, wo 1822 immer noch Salzmangel herrschte. Hessen und Württemberg waren inzwischen mit Salinen versorgt. Wäre Rappenau zu Hessen oder zu Württemberg gekommen, hätte sich für diese Länder eine weitere Saline im Neckarhochland erübrigt.

2. In Baden mussten bisherige Fundbohrungen in Orten mit besseren Rahmenbedingungen ( in Neckarmühlbach, in Heinsheim und anderswo) wegen Salzmangels infolge Auslaugung durch den Neckar ergebnislos verlaufen, damit Rappenau im Neckarhochland als Ort für eine Fundbohrung gewählt wurde.

3. Ein fähiger Salinist wie Rosentritt musste die Risikobereitschaft und das nötige Geld aufbringen, damit ihm die Regierung in Karlsruhe vertraute und die Genehmigung zur Bohrung in Rappenau erteilte. Die Nähe zu Wimpfen und die neue erfolgreiche Methode Glencks waren für seine eigenen Versuche vorbildhaft.
Die Gemeinde Rappenau ehrte die Leistung Rosentritts 1836 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde.

4. Die Zugehörigkeit Rappenaus zu Baden erwies sich für beide Seiten als Gewinn. Durch die Entdeckung des Salzlagers auf Rappenauer Gemarkung konnte das Land seine Salzarmut beheben und seine finanziellen Nöte mildern. Für Rappenau ergaben sich durch den Bau einer Staatssaline neue Entwicklungsmöglichkeiten.
Der entscheidende Anfang dieser Entwicklung bleibt mit der gelungenen Fundbohrung und mit dem Großherzogtum Baden verbunden.

Fortsetzung folgt ...