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Bad Rappenau
Fränkischer Hof
Kulturhaus "Forum Fränkischer Hof"
Fränkischer Hof
Innenhof "Forum Fränkischer Hof"
Fränkischer Hof
Eingang zur Stadtbücherei beim Forum Fränkischer Hof

Kulturhaus "Forum Fränkischer Hof"

Die Gebäude, in denen das am 14. April 1989 in Anwesenheit des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth eingeweihte Kulturhaus eine Heimstatt gefunden hat, sind aus der Sanierung eines 1986 von der Stadt erworbenen und von bereits stark fortgeschrittenem Verfall bedrohten historischen Anwesens hervorgegangen.

Von der Gehöftform her haben wir es hier - im siedlungsgeschichtlichen Sprachgebrauch - mit einem Mehrbauhof fränkischen Typs zu tun. Im Gegensatz zu dem in unserem Gebiet weit verbreiteten Einheitshof, wo Wohn- und Wirtschaftsgebäude unter einem Dach - lediglich durch Wände voneinander getrennt - liegen, ist für den Mehrbauhof die räumliche Trennung des Wohnhauses von allen Wirtschaftsgebäuden kennzeichnend.

In unserem Fall gruppieren sich die einzelnen selbständigen Gebäude wie Wohnhaus, Scheune, Schweineställe und Holzremise auf drei Seiten um eine rechteckige Hoffläche. Das ergibt in der Anlage die Form eines Dreiseithofs, der zur Straße mit einer Mauer und einem Tor abgeschlossen war.

Oberstes Gebot während der Sanierungsarbeiten war, den ursprünglichen Charakter dieses Biedermeiergehöfts zu erhalten und das Ensemble einfühlsam und zurückhaltend zu ergänzen. Wohnhaus und Scheune sind zweigeschossige Massivbauten, die fast gleichzeitig entstanden sind. Beeindruckend ist vor allem die Scheune mit den beiden bogenförmigen Torflügeln in der Mitte der Hofseite. Dadurch hebt sich dieses Gebäude von den übrigen Scheunen der Zeit deutlich ab. Darüber hinaus ist es für einen landwirtschaftlichen Zweckbau in einer sehr aufwendigen Bauweise (Sandsteinmauerwerk) gebaut worden. Man steht vor einem wohlproportionierten Bauwerk, das in seinen klaren Formen ganz einfach schön ist.

Eine genaue Datierung ermöglichen die über der Eingangstür des Wohnhauses bzw. am mittleren Pfeiler zwischen den beiden aus Schilfsandstein gefertigten Bögen der Toröffnungen des Scheunengebäudes eingemeißelten Jahreszahlen 1842 und 1849. Die Initialen C.S. und M. S., die die Jahreszahl 1842 am Wohnhaus einrahmen, erinnern an die Erbauer des Anwesens: Christian Schmutz und Magdalena Schmutz.

Die Erbauer des Anwesens waren Mennoniten. Diese schon 1554 unter dem Namen "Wiedertäufer" genannte evangelische Sekte wanderte nach 1650 aus der Schweiz verstärkt in die durch den Dreißigjährigen Krieg entvölkerten Bereiche des deutschen Südwestens ein, unter anderem auch in die damals Reichsrittern, wie zum Beispiel dem Freiherrn von Gemmingen, gehörenden Orte.

Als begehrte und tüchtige Hofpächter bewirtschafteten sie im 18. Jahrhundert zahlreiche Rittergüter unserer Gegend.

Der unverheiratet gebliebene Christian Schmutz, einer der Erbauer dieses in der ausgehenden Biedermeierzeit karg und sparsam an architektonischen Ausdrucksmitteln errichteten Gehöfts, war langjähriger Pächter des Gemmingenschen Herrschaftsgutes in Bad Rappenau. Er war gleichzeitig Ältester und Prediger der Mennonitengemeinde im Ort.

Im Zusammenhang mit der Entstehungs- bzw. Besitzgeschichte dieses nahezu 150 Jahre alten Anwesens sollten an dieser Stelle auch noch ein paar Worte über Magdalena, die Stiefmutter von Christian Schmutz, sowie über dessen Stiefgeschwister David und Katharina gesagt werden.

Magdalena geb. Kaufmann, war seit 1823 mit dem Gutspächter Philipp Schmutz, dem Vater von Christian Schmutz, verheiratet, da dessen erste Frau ein Jahr zuvor im Alter von nur 45 Jahren gestorben war.

Dieser zweiten Ehe entsprossen sechs Kinder, von denen lediglich zwei, nämlich David und Katharina, das Erwachsenenalter erreichten.

An sie ging das Anwesen nach dem Tod von Christian Schmutz 1873 durch Schenkung über.

1886 kaufte dann Lena Herbst, geb. Stein, Witwe des Rappenauer Kaufmanns Isak Herbst, das Anwesen, das sie als Kapitalanlage nutzte. Der Kaufpreis lag bei 14.000 DM.

Aber schon drei Jahre danach, 1889, verkaufte Lena Herbst das Anwesen an den Rappnauer Landwirt Martin Söhner, ebenfalls für 14.000 DM. Das Anwesen blieb bis 1986 im Besitz der Familie Söhner. Damals wurde es dann von der Stadt Bad Rappenau erworben, die es in der Folgezeit zum städtischen Kulturhaus umbauen ließ.

Hier haben seit April 1989 die vier wichtigsten städtischen Kultureinrichtungen Stadtbücherei, Museum, Volkshochschule und Musikschule unter günstigen Bedingungen eine Heimstatt gefunden. Weitere Räumlichkeiten stehen den örtlichen Vereinen und für Wechselausstellungen zur Verfügung. Damit hat dieses historische Anwesen nicht nur seinen endgültigen Besitzer gefunden, sondern auch eine zeitgemäße Nutzung erhalten